ÜBER

Warum ich angefangen habe, genauer hinzusehen

Ich beschäftige mich beruflich seit Jahren mit der Frage, wie Arbeit funktioniert – und warum sie manchmal nicht so funktioniert, wie sie auf dem Papier sollte. Mein Hintergrund liegt im strategischen Personalbereich, an der Schnittstelle von Führung, Recruiting, Employee Experience und organisationaler Veränderung.

Eine Frau blickt in eine geometrische Spiegelinstallation, in der ihr Gesicht vielfach reflektiert wird.

Ambition war dabei für mich nie etwas Abstraktes. Ich übernehme gern Verantwortung, mag schwierige Aufgaben und das Gefühl, etwas wirklich voranzubringen. Daran hat sich auch nichts geändert, als mein eigener Körper begann, bei diesen Fragen mitzureden.

Mein Morbus Crohn blieb rund anderthalb Jahre unerkannt. Während ich weiterarbeitete und versuchte, meinen Alltag möglichst normal aufrechtzuerhalten, konnte sich die Erkrankung ungebremst auswirken. Als die Diagnose schließlich kam, hatte sie bereits Spuren hinterlassen. Heute ist die Entzündung in Remission; folgenlos ist sie trotzdem nicht. Vernarbungen im Verdauungstrakt bedeuten, dass Einschränkungen geblieben sind – auch an Tagen, an denen von außen nichts davon zu sehen ist.

Diese Erfahrung hat meinen Ehrgeiz nicht beendet. Sie hat meinen Blick auf Leistung verändert.

Mich interessiert seitdem stärker, was hinter einem sichtbaren Ergebnis liegt: welche Voraussetzungen nötig waren, was vorher verschoben oder aufgefangen wurde und welche Kosten an anderer Stelle entstehen, wenn am Ende trotzdem alles funktioniert.

Genau daraus entstehen viele der Texte auf chronisch ambitioniert. Ausgangspunkt kann ein Bewerbungsgespräch sein, ein beruflicher Termin, den ich trotz Krankheit durchhalte, oder ein guter Tag, der plötzlich als Beweis dafür erscheint, dass eine Einschränkung so groß nicht sein könne. Entscheidend ist für mich aber nicht die Anekdote selbst, sondern das, was sie über größere Zusammenhänge sichtbar macht.

Denn diese Mechanismen gehören nicht Morbus Crohn. Sie begegnen auch Menschen, die Angehörige pflegen, dauerhaft Verantwortung für andere tragen, mit unsichtbaren Einschränkungen leben oder in ihrem Alltag ständig mehr organisieren und ausgleichen, als ihr Umfeld mitbekommt.

Ein „Du hättest doch Nein sagen können“ kann formal vollkommen richtig sein und trotzdem einen wesentlichen Teil der Situation übersehen. Dasselbe gilt für ein „Gestern ging es doch auch“. Solche Erklärungen interessieren mich gerade deshalb, weil sie plausibel sind. Meistens fehlt ihnen nicht die Logik – sondern eine Perspektive.

chronisch ambitioniert ist aus dem Wunsch entstanden, diese fehlenden Perspektiven sichtbar zu machen. Nicht als Dokumentation meiner Krankheitsgeschichte und auch nicht als Sammlung fertiger Antworten. Ich schreibe über Situationen, in denen Leistung, Verantwortung, Gesundheit, Erwartungen und persönliche Entscheidungen aufeinandertreffen – und darüber, was sich verändert, wenn man sie nicht nur aus einer Richtung betrachtet.

Beruflicher Blick und persönliche Erfahrung

Meine Perspektive entsteht aus beidem: aus eigener Erfahrung mit einer chronischen Erkrankung und aus meiner beruflichen Arbeit mit Führung, Recruiting, Employee Experience, Organisationsstrukturen und Veränderung in großen Organisationen.

Mich interessieren besonders die Stellen dazwischen: wo persönliche Verantwortung auf Rahmenbedingungen trifft, wo gut gemeinte Lösungen Nebenwirkungen erzeugen und wo einfache Zuschreibungen einer komplexeren Wirklichkeit nicht gerecht werden.

Darüber schreibe ich. Und genau darüber möchte ich auch mit Menschen und Organisationen ins Gespräch kommen.

Eine Frau spricht bei einer beruflichen Veranstaltung mit Mikrofon vor einem Rednerpult.

Beim Schreiben und Entwickeln von chronisch ambitioniert nutze ich KI als Sparrings- und Schreibwerkzeug: zum Strukturieren von Ideen, Entwickeln und Gegenprüfen von Erklärungsansätzen, für Recherche, Entwürfe und Überarbeitung. Die persönlichen Erfahrungen und Fakten stammen von mir. Welche Gedanken tragen, wie ein Text gewichtet wird und was am Ende veröffentlicht wird, entscheide und verantworte ich. Auch einzelne Illustrationen oder Beitragsbilder können mit generativer KI erstellt oder bearbeitet sein; wenn eine KI-Bearbeitung eine reale Person oder reale Situation authentisch erscheinen lässt, wird sie direkt am Bild kenntlich gemacht.

Was daraus entstehen soll

Ich möchte, dass chronisch ambitioniert mehr wird als eine Sammlung guter Texte. Die Beiträge sollen gelesen, weitergegeben und diskutiert werden. Daraus dürfen neue Formate entstehen, redaktionelle Zusammenarbeit, Kooperationen und Projekte mit Menschen oder Organisationen, die an ähnlichen Fragen interessiert sind.

Genauer hinzusehen verändert nicht automatisch die Antwort. Aber es verändert, welche Fragen wir stellen, wem wir Verantwortung zuschreiben und welche Lösungen wir überhaupt für möglich halten.

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